Die Fenster weit auf für frische Ideen: Bericht vom ersten Zukunftsforum

„Können wir  Geschichten nur über Vergangenes erzählen, oder auch über Dinge, die noch in der Zukunft liegen? Nicht umsonst beginnen die meisten Märchen mit ‚es war einmal…‘“. Mit dieser Frage leitete der Literaturwissenschaftler und SPD-Landtagskandidat für München-Mitte, Dr. Michael Ott, das Treffen des Zukunftsforums der Pasinger Sozialdemokratie am vergangenen Donnerstag ein. Das Zukunftsforum hatte unter dem provokanten Titel „Klassenkampf und kalter Kaffee“ die Frage nach der Erzählung gestellt, die die Sozialdemokratie ins 21. Jahrhundert tragen kann. Offenbar traf das Zukunftsforum damit den Nerv der Zeit, denn der Einladung folgten so viele Parteimitglieder und Gäste, dass zusätzlich noch Stühle in den Saal getragen werden mussten.

„Was wir Zukunft nennen, ist in Wahrheit nur eine Projektionsfläche, die mit unterschiedlichen Gedanken und Gefühlen bespielt wird. Es ist immer eine Frage der Perspektive, ob wir in der Zukunft Krisen oder Chancen sehen. Dem Zukunftsforum als Projekt der Pasinger SPD räumen wir allein schon deshalb viele Chancen ein, da es ein öffentliches Gesprächsforum ist, zu dem alle Bürgerinnen und Bürger, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Partei, herzlich eingeladen sind.  Ziel ist des Zukunftsforums der Pasinger SPD ist es, im wahren Sinne des Wortes Politik  zu machen: Argumente einzubringen, von anderen zu lernen, Verständnis zu entwickeln und mitzugestalten. “, so die Pasinger SPD-Vorsitzende Franziska Messerschmidt in ihrer Begrüßung.

Und so wurde dann auch intensiv und teilweise hitzig diskutiert, was die SPD heute ausmacht und wofür sie sich in Zukunft stark machen soll. Vor allem die Herausforderungen der Digitalisierung und der Wandel der Arbeitswelt standen im Mittelpunkt vieler Redebeiträge. Auf diesen Wandel eine sozial verträgliche Antwort zu finden sei die Aufgabe der Stunde. Dies sei auch der Anknüpfungspunkt zur Geschichte der alten Arbeiterpartei, die aus einem Auseinanderbrechen der Gesellschaft nach den Umbrüchen der industriellen Revolution entstanden sei.

Raoul Koether, einer der Moderatoren des Zukunftsforums, nannte genau dies auch als seinen persönlichen Grund, warum er SPD-Mitglied geworden sei: „Es geht um das Versprechen dieses reichen Landes an seine Bürger: Keiner bleibt allein, keiner wird zurückgelassen.“ Und für die München-Partei SPD präzisierte er: „Ich will in einer Stadt leben, in der es erschwinglichen Wohnraum für alle gibt, aber nicht alles zubetoniert wird, in der junge Eltern einen Kindergartenplatz finden, aber Erzieherinnen und Erzieher nicht nur mit der Freude an ihrer Aufgabe bezahlt werden, in der ich in meiner Lederhosen nicht blöd angeredet werde, aber meine Nachbarin im Kopftuch auch nicht.“

Kernforderungen der Teilnehmer, unter anderem der Bezirksrätin Katja Weitzel, waren daher auch der Ruf nach Solidarität und Zusammenhalt, einer gerechten Chancenverteilung, Emanzipation und echter Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger an den Entscheidungen der Politik.

Daniel Wiegand, ebenfalls Moderator des Zukunftsforums, erläuterte das weitere Vorgehen mit den Ideen des Abends: „Uns ist es wichtig, dass nicht nur einfach geredet wird, sondern dass am Ende auch etwas dabei herauskommt. Die Ergebnisse der Veranstaltungen des Zukunftsforums werden immer zusammengefasst und hier auf der Homepage sowie auf unserer Facebook-Seite öffentlich zur Diskussion gestellt. Danach werden sie in die verschiedenen Parteigremien in München, Bayern und dem Bund eingebracht. Es geht darum, neue Formen der politischen Bürgerbeteiligung zu ermöglichen, und zwar unabhängig von Geschlecht, Alter oder Parteimitgliedschaft; in öffentlichen Diskussionen wollen wir die besten Ideen sammeln und in den politischen Prozess hineintragen, natürlich immer transparent und für alle nachvollziehbar.“

Dieses neue und offene Format fand offenbar Anklang unter den Gästen, von denen es einer so ausdrückte: „Ich hätte nicht gedacht, dass in einer Partei so offen und gut diskutiert wird. Das ist toll. Wenn bei mir zu Hause die Luft schlecht wird, dann mache ich auch nicht alles dicht, sondern reiße das Fenster weit auf!“

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